Forum Urbane Energiewende

Was bedeutet die COVID-19-Krise für den Green Deal und die urbane Energiewende?

Eine Veranstaltung im Rahmen der Berliner Energietage

Weltweit setzt sich der Trend zur Urbanisierung fort. Bereits heute leben mehr als die Hälfte der Menschen - Tendenz steigend - in Städten, die 75 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursachen. In Anbetracht der Pariser Klimaziele und vor dem Hintergrund des von der Europäischen Kommission angekündigten Green Deals, der Europa bis 2050 klimaneutral machen soll, spielen die Herausforderungen und Potenziale städtischer Energieversorgung eine wesentliche Rolle, um einen nachhaltigen ökologischen Wandel zu ermöglichen. 

Beim Forum Urbane Energiewende, das im Rahmen des Digitalen Sommer der Energiewende am 10. Juni 2020 stattfand, diskutierten hochrangige Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, was die COVID-19-Krise für den Green Deal und die urbane Energiewende bedeutet. Doch wirft die aktuelle COVID-19-Krise die Frage auf, ob das Kernprojekt der Europäischen Kommission noch Bestand hat oder die Pandemie uns zu einem Richtungswechsel in der europäischen Wirtschafts- und Klimapolitik zwingt.

"Der European Green Deal ist das politische Fundament für eine Wachstumsstrategie."
Ruud Kempener, Europäische Kommission

Den Auftakt machten Ruud Kempener (Policy Officer Generaldirektion Energie, EU-Kommission) und Jakob Schlandt (Redaktionsleiter, Tagesspiegel Background Energie & Klima) mit einem Fireside Chat, in dem es um die Konflikte zwischen ländlicher und urbaner Energiewende, den Green Deal als Wachstumsstrategie und nicht zuletzt um die Erwartungen an die EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands ging.

"In den Kommunen liegt ein großer Schatz, der gehoben werden will."
Dr. Patrick Graichen, Agora Energiewende

Anschließend bewertete Dr. Patrick Graichen (Direktor, Agora Energiewende) in seiner Keynote das Konjunkturprogramm der Bundesregierung sowie den Green Deal als große Chance, um den Umbau der Wirtschaft in Zeiten der größten Krise seit den 1930er Jahren auch in Sachen Klimaschutz zukunftsfähig zu gestalten.

Gleichzeitig sensibilisierte Graichen vor allem für die großen Herausforderungen im Bereich der Häuser- und Gebäudesanierung, des Verkehrs sowie des Netzausbaus für Fernwärme, denn „in den Kommunen liegt ein großer Schatz, der gehoben werden will.“

Diskussion verpasst? Jetzt Live-Mitschnitt anschauen:

„Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind so essentiell, dass wir hier auch in Zeiten von Covid-19 keine Abstriche machen dürfen.“
Markus Witt, Vattenfall Wärme Berlin

In der anschließenden Diskussion betonte Markus Witt (Vice President Asset Management, Vattenfall Wärme Berlin), dass man in puncto Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Klimaschutz gerade in Zeiten einer Pandemie keine Abstriche machen dürfe. Das sahen alle Expertinnen und Experten in den aktuellen Plänen zum Green Deal und im Konjunkturpaket der Bundesregierung in groben Zügen berücksichtigt, auch wenn hiermit in Sachen Klimaschutz nicht der große Wurf gelungen sei, wie Mara Marthe Kleiner (Leiterin des Büros des Direktors, Agora Energiewende) attestierte. So kritisierte Kleiner die fehlenden  Investitionssicherheiten für klimafreundliche Zukunftstechnologien, denn nur so gelinge es gestärkt aus der Krise herauszukommen. Willi Meixner (Leiter der Government Relations & Regional Development, Siemens Energy) betonte im Anschluss, dass die Politik die notwendigen Investitionen auch im Hinblick auf den innovativen Vorsprung im globalen Wettbewerb forcieren müsse, man mit dem ETS und anderen Maßnahmen aber auf einem guten Weg für Investitionsentscheidungen sei.

"COVID-19 zwingt uns Ressourcen jetzt so effizient wie möglich einzusetzen, um die Ziele des Green Deals zu erreichen."
Prof. Dr. Lamia Messari-Becker, Universität Siegen

Im weiteren Verlauf der Diskussion warb Prof. Dr. Lamia Messari-Becker (Professorin für Gebäudetechnologie und Bauphysik, Universität Siegen) dafür, die Energiewende mit einem ganzheitlichen Ansatz neu zu starten, neben dem Klimaschutz die Klimaanpassung immer mitzudenken und  mehr in kostengünstigeren Quatiersansätzen zu planen - denn "COVID-19 zwingt uns Ressourcen jetzt so effizient wie möglich einzusetzen, um die Ziele des Green Deals zu erreichen."

Von den Dachflächen zur Geothermie bis zum Heizkraftwerk - am Ende der Diskussion waren sich die Expertinnen und Experten einig, dass die Urbane Energiewende nur mit einer Kombination aus Renovierungswelle im Brereich der Häuser- und Gebäudesanierung, der Kombination von zentraler und dezentraler Energie- und Wärmeversorgung sowie der Verkehrswende gelingen kann und der Weg bis zur Klimaneutralität Europas vor allem in Zeiten von COVID-19 vorangetrieben werden muss.

Hier geht es zur Playlist und den einzelnen Beiträgen des Forum Urbane Energiewende.

Diese Veranstaltung wurde unterstützt von: