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#1 - Urbanes Leben neu denken - Wie gestalten wir die soziale Stadt?
Rückblick | Evening Talk am 18. Oktober 2023
Kaum ein Ort ist so vielfältig, wie der urbane Raum. Hier treffen unterschiedlichste Lebensrealitäten, Kulturen und Bedürfnisse aufeinander. Die Potenziale für soziale, kreative und wirtschaftliche Innovationen könnten kaum größer sein – ebenso wie die Herausforderung, eine hohe Lebensqualität für alle, Integration und gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten.
Bei der Auftaktveranstaltung der neuen Tagesspiegel-Reihe Stadt.Raum.Mensch wurde über die sozialen Perspektiven des urbanen Lebens diskutiert: Wie müssen unsere Städte und Quartiere gestaltet werden, um lebendige Nachbarschaften zu fördern? Und welche Auswirkungen haben steigende Bau- und Wohnkosten auf unsere Gesellschaft?

Spannende Diskussion mit Daniel Föst (FDP) Julian Schwarze (Grüne) und Eva Weiß (Buwog)
Eva Weiß, Geschäftsführerin der BUWOG, gab einen Einblick in die Rolle und den Handlungsspielraum von Wohnungsunternehmen. So verfolgt die BUWOG als einer der großen Projektentwickler in Deutschland seit langem eine ganzheitliche Quartiersentwicklung, die insbesondere die soziale Nachhaltigkeit ins Zentrum rückt. In der Praxis heißt das: Die bunte Mischung fördern. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass nur eine Vielfalt in der Bewohnerschaft – etwa in Form von Alter, Herkunft, Einkommen, aber auch die Unterschiedlichkeit von Lebensentwürfen und Lebenssituationen - den interkulturellen Austausch im Quartier fördert und Ausgrenzung verhindert.
Diese bunte Mischung, so die Erfahrung der BUWOG-Geschäftsführerin, bekomme man nur, wenn man Wohnungstypen und Angebote für verschiedene Einkommensschichten durchmischt. Ein reales Beispiel ist die Sozialstation im Quartier, die erst durch den gleichzeitigen Verkauf von Eigentumswohnungen querfinanziert und durch freifinanzierte Mietwohnungen ergänzt wird.
Transparenz und Bürgerbeteiligung scheinen das Gebot der Stunde, um Quartiere nach den Bedürfnissen der Bewohner zu gestalten. Doch damit solche Verfahren tatsächlich zu einem Mehrwert für alle Beteiligten führen, gibt es einiges zu beachten. Zum einen, so der Berliner Stadtplaner Georg Balzer vom Büro Stadtlandprojekte und Julia Dahlhaus, Berliner Vorsitzende des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten, müssten im Vorfeld verbindliche Regeln zwischen Politik, Bürgern und Projektpartnern vereinbart werden, um den Ergebnissen den nötigen Rückhalt zu geben. Zum anderen brauche es eine klare Vision für die Stadt, ein Entwicklungsleitbild. Denn letztlich sollte es in Beteiligungsverfahren nicht mehr um die Idee einer ganzheitlichen Stadt- und Quartiersentwicklung gehen, sondern darum, wie diese umgesetzt werden kann.
Eines der wichtigsten Themen in Städten ist die Bezahlbarkeit von Wohnraum - sei es zur Miete oder zum Kauf. Die Preisentwicklung hängt von vielen Faktoren ab: Steigende Inflation, Wohnungsknappheit, instabile Lieferketten, Fachkräftemangel und komplexe gesetzliche und bürokratische Anforderungen sind nur einige davon. Frau Weiß von der BUWOG ist sich sicher, dass das modulare und serielle Bauen eine Chance für bezahlbaren Wohnraum bietet. Gleichzeitig müssten aber auch Verfahren vereinfacht und Bürokratie abgebaut werden. Auch FDP-Politiker Daniel Föst unterstützte diesen Ansatz, der auf einheitliche und regional unabhängige Genehmigungsverfahren abzielt. Größtes Hindernis sei jedoch der starke Föderalismus im Bauwesen. Langwierige Verfahren und zu hohe Standards würden letztlich die Baukosten weiter in die Höhe treiben.
Dass mehr an einem Strang gezogen werden muss, damit Städte lebenswert und bezahlbar bleiben und die soziale Stadt Wirklichkeit wird, darüber waren sich bei der Auftaktveranstaltung von Stadt.Raum.Mensch alle einig. Über das Wie gibt es allerdings noch Diskussionsbedarf. Gelegenheit dazu gibt es am 12. Dezember bei der zweiten Veranstaltung von Stadt.Raum.Mensch.

Einblicke aus der Marktforschung: Je höher die Bevölkerungsdichte, je niedriger die Zufriedenheit mit dem Wohnraumangebot
Video-Mitschnitt der Veranstaltung

