Tagesspiegel Debate.Energy Talk #2
Was bedeutet die UN-Klimakonferenz für die nächste Legislatur in Deutschland?
Rückblick:
Einen besseren Tag für den Tagesspiegel Debate.Energy Talk #2 hätte man sich kaum aussuchen können. Eine Woche nach der COP26 und kurz vor der einberufenen Pressekonferenz zum Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition, diskutierten am 24. November hochkarätige Gäste aus dem Energiesektor, was die COP26 gebracht hat und welche Auswirkungen diese auf die nächste Legislatur in Deutschland haben wird.
Zu Beginn des Talks schilderte Tagesspiegel Background-Redakteurin Susanne Ehlerding ihre Eindrücke von der COP26 in Glasgow. Ehlerding berichtete sowohl vom beeindruckenden Handlungswillen der Teilnehmerstaaten als auch von der Enttäuschung über die im letzten Moment abgeschwächten Beschlüsse der Konferenz. Sie resümierte: „Ich kann die Bedenken von Fridays4Future und Greta Thunberg nachvollziehen, aber dass was wir in Glasgow bekommen haben ist ein ordentliches Ergebnis.“
Auch Uniper CEO Dieter Maubach zeigte sich während seines Impulsvortrags optimistisch: „Beim Klimaschutz gilt: Der wichtige Weg ist eingeschlagen“. Er stellte klar, dass sein Konzern das Klimaabkommen von Paris unterstütze. Man habe ambitionierte Ziele etwa im Bereich des Wasserstoffs. Dennoch stellte er klar, dass Erdgas als verlässlicher Partner für die Erneuerbaren bei der Versorgungssicherheit noch gebraucht werde.
Die anschließende Podiumsdiskussion eröffnete Moderator Schlandt mit den ersten Erkenntnissen aus dem Koalitionsvertrag. Das Panel war mit Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Rainer Baake, dem Direktor der Stiftung Klimaneutralität, Stefan Kapferer, CEO, 50Hertz und Andreas Kuhlmann, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der deutschen Energieagentur dena, mit herausragenden Expert:innen besetzt.
Die waren sich dann in der Debatte erstaunlich einig, wie wichtig es nun sei, die Energiewende herbeizuführen – und die Ziele der Ampel-Koalitionäre zwar hochgegriffen, aber umsetzbar seien. Andreae merkte an, dass der Koalitionsvertrag in Sachen Klimaschutz zum Teil eine „ambitionierte Angelegenheit“ sei. Baake sah das ähnlich, insbesondere der Stromsektor müsse „massiv dekarbonisiert“ werden. Es brauche eine Verdreifachung der Geschwindigkeit beim Umbau.
BDEW-Chefin Andreae forderte zudem: „Wir brauchen eine Investitionssicherheit für Unternehmen“. Nur wenn es seitens der Regierung klare Aussagen hinsichtlich der Zukunft und Potentiale von sogenannten Brückentechnologien wie Wasserstoff und Erdgas gäbe, könnte die Industrie entsprechend planen und reagieren.
Stefan Kapferer von 50Hertz bat darum, bei den Maßnahmen die Netze mitzudenken. So brauche es „eine Backup-Situation für die Kohlekraftwerke“, wenn diese in den kommenden Jahren abgeschaltet werden. Die Versorgungsnetze müssten immer mitgedacht werden. Dena-Chef Kuhlmann sah großen Nachholbedarf bei den Ampel-Parteien. In der letzten Legislatur sei „sehr viel liegengeblieben“, was die Koalitionäre jetzt umsetzen müssten.
So viel Kritik es an möglicherweise zu zaghaften Resultaten der COP26 gab, Kuhlmann sah positive Schritte. Die Klimakonferenz habe eine Entwicklung durchgemacht, die die Welt auf einen besseren Weg schickt. Und wenn nun der Aufbau der Erneuerbaren tatsächlich so klappt, wie die Ampel-Parteien sich das erhoffen, ist es damit nicht getan, merkte Andreae zum Ende einer spannenden Debatte an: Ohne Speichertechnik für den Strom aus Wind und Solar nützten die vielen Anstrengungen der nächsten Zeit wenig.
Format:
Mit Tagesspiegel Debate.Energy hat der Verlag Der Tagesspiegel in Kooperation mit der Uniper SE im April 2021 eine Diskussionsplattform für aktuelle Entwicklungen, politische Rahmenbedingungen und gesellschaftspolitische Implikationen der Energiewende geschaffen. Mit den Tagesspiegel Debate.Energy Talks wird dieser gesamtgesellschaftliche Austausch auf dem Weg zur Klimaneutralität fortgesetzt und begleitet.
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