VERWALTUNG
Die Digitalisierung der Verwaltung ist das Thema, das wohl in allen Ausgaben von Digital auf Nummer Sicher! mitschwingt. Zentrale Weichenstellungen in der öffentlichen Verwaltung stehen teilweise noch aus und führen zu den Grundsteinen, für eine geregeltere Zukunft des Internets. Gleichzeitig ist nicht selbstverständlich, dass eine geregeltere Lösung auch eine sicherere ist. Gerade der technologische Vorsprung der Hyperscaler und die Nutzer:innenfreundlichkeit von heute gängigen Digitallösungen stellt die bestehende Infrastruktur deutscher Behörden in Frage.
Ein Punkt, bei dem nachgebessert werden soll, ist der digitale Ausweis. Die bestehende Lösung wird von allen Ebenen als unzulänglich erachtet und soll nun mit einer proaktiven, flexibleren und interoperablen eID ersetzt werden. Tobias Bacherle, MdB für die Grünen und Obmann im Ausschuss für Digitales bekennt, „Die eID ist für uns eine der Schlüsselaufgaben, wenn es um die Digitalisierung der Verwaltung geht“. Wichtig sei in der Anwendung nicht in einer Schlaufe aus behördlichem Denken hängen zu bleiben. Die öffentliche Verwaltung brauche selbstverständlich eine digitale Form sich auszuweisen, um dem Anspruch des Onlinezugangsgesetz gerecht zu werden. Besonders private Anbieter benötigten für ihre Produkte und Dienstleistungen jedoch endlich eine einfache Lösung, betont Bacherle. Das kann, so tritt es in der Veranstaltungsreihe in den Vordergrund, zu Vorteilen in der Sicherheit von Online-Nutzung und damit auch ihrer Verlässlichkeit führen. Bürger:innen könnten profitieren, wie auch Unternehmen und Verwaltung.

Die Leiterin Technologiepolitik beim Digital Society Institute, ESMT Berlin, Isabel Skierka war ebenfalls bei Digital auf Nummer Sicher! zu Gast. Sie ist vom BMWK als wissenschaftliche Begleiterin in die Erprobung der eID eingebunden. Skierka betont die vielfältigen Anwendungsfälle, die eine gelungene Lösung des digitalen Ausweisens haben würde. Ob das Ticket für den Bus oder die klassische Ummeldung, beim Wohnortswechsel.
Nicht zu verkennen sei, dass die digitalen Lösungen dafür, sich in unterschiedlichen Fällen zu identifizieren, ebenfalls sehr verschieden sein können. Im Rahmen von „Bottom-Up-Ansätzen“, so meint sie, sollte das auch mit der neuen eID des Bundes der Fall sein. Bottom-Up-Ansätze sind solche, die Lösungen von unten nach oben entwickeln – der Bund also etwa auf die spezifischen Anwendungen von Kommunen und Mittelständlern eingehen muss. Es brauche Interoperabilität, so Skierka, für eine reibungslos plattformübergreifende Anwendung und auch im Sinne der Vorgaben aus der Europäischen Union.
Skierka meint, beim Ausweisen gebe „es sehr viele Anwendungsfälle, in denen ich vielleicht nur das Vertrauensniveau niedrig oder substanziell erfüllen muss, um zum Beispiel Nachweise über bestimmte Attribute zu erbringen“. All diese Möglichkeiten müsse die Neuentwicklung des Bundes ermöglichen.

Bei unserer Ausgabe des Formats zur vergangenen Bundestagswahl betonte Prof. Dr. Claudia Eckert, die Institutsleitung des Fraunhofer AISEC, ganz andere Aspekte der Digitalisierung in der Verwaltung. Sie unterstreicht die Relevanz von Risikoanalysen der kritischen Infrastrukturen. Es gehe darum bei Risiken nicht mehr „nur ein Bewusstsein zu haben, sondern da auch was zu tun“. Vielfach brauche die öffentliche Verwaltung mehr Kompetenzen darin zu verstehen, was in den eigenen IT-Systemen vor sich geht. Auch automatische Sicherheitsprüfungen sollten viel stärker eingesetzt werden.
Eine vorgelagerte Rolle spiele zudem die Hardware. „Unser Untergrund ist technisch gesprochen die Hardware. Wenn wir die stärker in den Griff kriegen, wäre es mir auch sehr viel ruhiger zu Gemüte. Wenn wir in starke Institutionen, als Nation auch als europäische Gemeinschaft, investieren für ein Fundament“, meint Eckert. Aktuell baue man noch vielfach „auf Sand“. Diese Unsicherheiten müssten ausgeräumt werden.

