Mehr als Heuschnupfen - Allergien zwischen Klimawandel und gesundheitspolitischer Verantwortung
Tagesspiegel Fachforum Gesundheit am 24. September 2026
Thema
Niesen, juckende Augen, verstopfte Nase – für viele Menschen sind dies allzu bekannte, den Alltag oft belastende „Frühlingsgefühle". Was landläufig als „Heuschnupfen" abgetan wird, ist in Wahrheit eine ernstzunehmende chronische Erkrankung. Allergien zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland: Laut Forsa-Umfrage im Auftrag des AOK-Bundesverbands ist jeder zweite Deutsche von Allergien betroffen – mit 59 Prozent am häufigsten von einer Pollenallergie bzw. mit 34 Prozent von einer Hausstaub-/Milbenallergie. Laut Robert Koch-Institut liegt die Betroffenenquote bei Kindern und Jugendlichen bei rund 16 Prozent. Insbesondere Schulkinder leiden zunehmend unter Heuschnupfen, Pollenallergien und Neurodermitis. Schuld daran sind auch der Klimawandel und die damit veränderten Umweltbedingungen.
Längere Pollensaisons, aggressivere Pollen durch erhöhte CO₂-Konzentration, neue Pflanzenarten sowie steigende Ozon- und Feinstaubbelastung – die Umweltveränderungen wirken laut Fachkreisen als Brandbeschleuniger. Luftschadstoffe schwächen die Schleimhautbarriere und machen das Immunsystem empfänglicher für Allergene. Expertinnen und Experten warnen: Was heute schon eine Volkskrankheit ist, wird morgen das Gesundheitssystem vor Herausforderungen stellen, auf die es Stand heute nicht vorbereitet ist.
Denn das bestehende System weist laut Expertenmeinungen strukturelle Probleme sowohl im Hinblick auf Kapazität als auch auf Systematik auf: Frühdiagnose als wirksames Instrument der Sekundärprävention wird nicht flächendeckend eingesetzt. Allergiker werden zu spät oder gar nicht diagnostiziert. Hinzu kommen Fehlanreize in der Vergütungsstruktur, unzureichende interdisziplinäre Vernetzung und Defizite in der Patientenaufklärung.
Diese Ausgabe der Reihe Tagesspiegel Fachforum Gesundheit brachte Wissenschaft, Versorgung, Patienten, Krankenkassen und Politik zusammen, um über bessere Diagnostik, Behandlung und Systemvorbereitung auf steigende Prävalenzen zu diskutieren.
Sprecher:innen
Im Tagesspiegel-Haus begrüßten wir am 24. September 2026:
- Dr. Flora Beiche-Scholz Executive Vice President Europe, ALK-Abelló Arzneimittel
- Ruth Ciesinger (Moderation)
Verantwortliche Redakteurin Online, Verlag Der Tagesspiegel - Prof. Eckard Hamelmann
Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Evangelisches Klinikum Bethel - Anne-Kathrin Klemm
Vorständin, BKK Dachverband e.V. - Dr. Michael Müller
Vorstandsvorsitzender, ALM e.V. - Dr. Wolfgang Straff
Leiter Fachgebiet „Umweltmedizin und gesundheitliche Bewertung“, Umweltbundesamt - Prof. Claudia Traidl-Hoffmann
Inhaberin Lehrstuhl für Umweltmedizin, Universität Augsburg - Marion Scholz
Patientenvertreterin - Johannes Wagner MdB
Mitglied im Gesundheitsausschuss, Bündnis 90/Grüne - Prof. Christian Vogelberg
Leiter des Fachbereichs Kinderpneumologie / Allergologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Die Aktualität der Angabe von Positionen und Institutionen der Sprecher:innen entspricht dem Zeitpunkt der jeweiligen Veranstaltung.
Bei der Konzeption von Formaten und der Besetzung von Panels bemühen wir uns um größtmögliche Diversität und Vielfältigkeit der Perspektiven. Dies lässt sich etwa durch Terminkonflikte potentieller Sprecher:innen nicht immer vollends erfüllen. Wir bitten um Verständnis.
Impressionen
Fotos: Verlag Der Tagesspiegel/Laurin Schmid
Diese Veranstaltung wurde unterstützt von










