Forum Urbane Infrastrukturen 2022

Das war das Forum Urbane Infrastrukturen am 03.05.2022

RÜCKBLICK

Wie wird Berlin CO2-neutral?

Beim Forum Urbane Infrastrukturen 2022 des Verlags Der Tagesspiegel diskutierten zentrale Akteur:innen der Berliner Energiewende. Die Veranstaltung fand im Kontext der wenige Monate zurückliegenden Wahl zum Abgeordnetenhaus und der anhaltenden Energiekrise durch den Krieg in der Ukraine statt.

Das Forum Urbane Infrastrukturen fand am 03. Mai 2022 zum zweiten Mal im Rahmen der Berliner Energietage statt. Hatten im vergangenen Jahr die Spitzenkandidat:innen der Berliner Abgeordnetenhauswahl noch die Chance, ihre Pläne für die Energiewende in der Hauptstadt darzulegen, so ging es dieses Mal darum, wie der neue Senat sich den Weg zur Klimaneutralität vorstellt und welche Rolle zentrale Akteur:innen aus der Wirtschaft dabei zu spielen gedenken. Daneben beherrschten die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Energieversorgung die Diskussion.

Zu Beginn erhielten die Teilnehmenden Einblicke in bereits existierende Best Practice Cases der Energiewende. Den Auftakt machte Christian Feuerherd, Leiter Sales & Business Solutions der Vattenfall Wärme Berlin AG, der die neue Hochtemperatur-Wärmepumpe von Vattenfall am Potsdamer Platz vorstellte. Die in Zusammenarbeit mit Siemens Energy installierte Wärmepumpe nutze die Abwärme aus Vattenfalls Kältezentrale und bedeute einen erheblichen Fortschritt für die Wärmewende im urbanen Raum. Anschließend stellte Emanuel Heisenberg, CEO und Gründer der ecoworks GmbH, die von seinem Unternehmen umgesetzte serielle CO2-neutrale Gebäudesanierung vor. Dabei stellte er klar, dass die Industrialisierung der Gebäudesanierung eine Antwort auf den Fachkräftemangel sei und außerdem Kosten und Zeit spare. Schließlich präsentierte Burkhard Drescher, Geschäftsführer der Innovation City Management GmbH, die Ergebnisse des über zehn Jahre laufenden Projektes „InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop“. In Bottrop wurde der CO2-Ausstoß zwischen 2010 und 2020 um die Hälfte reduziert, was nur durch die konsequente Einbeziehung der Bürger:innen möglich gewesen sei. „Bürger:innen müssen zu Akteur:innen der Energiewende gemacht werden“, so Drescher. Dies sowie die Erkenntnis, dass die Energiewende die Portemonnaies entlaste, führe zu Akzeptanz und letztlich zum Handeln.

Im Anschluss begrüßte Moderator Kevin P. Hoffmann den Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin, Stephan Schwarz, der in einer Keynote erläuterte, wie der neue Senat Berlin CO2-neutral machen möchte. Schwarz betonte, dass der Senat dafür weiter auf Bewährtes wie das Energie- und Klimaschutzprogramm setze, darüber hinaus aber auch neue Instrumente schaffe. Dazu gehöre eine Klimagovernance und ein Klimabürger:innenrat. Zentral für die Energiewende in Berlin sei auch der Ausbau von Solarenergie. Aus diesem Grund habe seine Verwaltung die Solarkampagne initiiert, „um gemeinsam mit dem Berliner Handwerk den Ausbau von Solaranlagen zu beschleunigen und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.“ Natürlich ging Schwarz auch auf die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöste Energiekrise ein und betonte: „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien bedeutet mehr Sicherheit und eben auch mehr Unabhängigkeit.

In der sich anschließenden Panel-Diskussion erläuterten zentrale Akteur:innen der Berliner Energiewende, welche Maßnahmen in den zu ihnen gehörenden Bereichen umgesetzt werden müssten, damit die Energiewende in der Hauptstadt gelingt – und welche Schnittpunkte sich dabei ergeben. Der Dreiklang aus Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion. Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der dena, zeigte sich optimistisch, dass Berlin bis spätestens 2045 CO2-neutral werde, denn die Stadt habe beste Voraussetzungen wie eine gute Studienlage und ein dichtes Netz an Start-Ups und Wissenschaftsinstitutionen. Diese guten Voraussetzungen müssten jedoch auch genutzt werden. Dabei wichtig seien unter anderem ein professionelles Management der Infrastrukturen und eine Offenheit für die Nutzung neuer Technologien. Dem stimmte Dr. Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme Berlin AG, zu. Um die Wärmewende zu schaffen und unabhängig von russischem Gas zu werden, benötige es neue Technologien. Wichtig dabei sei aber auch die Ermöglichung der Nutzung dieser durch die Politik und eine gewisse Planungssicherheit für die Unternehmen. Daniel-Jan Girl, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, stellte klar, dass Berlin trotz der nicht enden wollenden globalen Krisen optimistisch in die Zukunft schauen könne. Für die Berliner Wirtschaftsbetriebe sei dabei aber essenziell, dass das Übermaß an Regulierungen abgebaut werden müsse: „Berlin muss Chancenstadt werden.“ Auf ein Thema, das sicherlich in den kommenden Monaten noch verstärkt diskutiert werden wird, deutete Snezana Michaelis, Mitglied des Vorstandes der Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin hin: das Potenzial von Energiesparen. Damit dieses gehoben werden könne und beispielsweise bei Mieter:innen an Akzeptanz gewinne, müssten jedoch die Vorteile klar kommuniziert werden. Dazu gehörten Transparenz und die gezielte Bereitstellung gesammelter Daten. 

Das Forum Urbane Infrastrukturen 2022 wurde unterstützt durch die Vattenfall Wärme Berlin AG. 

DABEI WAREN

Burkhard Drescher
Geschäftsführer der Innovation City Management GmbH

Christian Feuerherd
Leiter Sales & Business Solutions, Vattenfall Wärme Berlin AG

Daniel-Jan Girl
Präsident,
Industrie- und Handelskammer zu Berlin

Emanuel Heisenberg
CEO, ecoworks GmbH

Andreas Kuhlmann
Vorsitzender der Geschäftsführung, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Snezana Michaelis
Mitglied des Vorstandes, Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin

Stephan Schwarz
Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin

Dr. Tanja Wielgoß
Vorstandsvorsitzende, Vattenfall Wärme Berlin AG

Moderiert wurde die Veranstaltung von Kevin P. Hoffmann, Verantwortlicher Redakteur für die Berliner Wirtschaft, Der Tagesspiegel

IMPRESSIONEN

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