Das war Tagesspiegel Fachforum Gesundheit

„Digitale Transformation im Gesundheitswesen: Wie gelingt der radikale Wandel?“

Über die Chancen der Digitalisierung, Hürden, die es zu überwinden gilt und konkrete Forderungen und Visionen, wie das Gesundheitswesen zukunftsfähig werden kann spricht Journalist Philipp Eins mit Dr. Jens Baas (Techniker Krankenkasse) und Prof. Dr. Erwin Böttinger (Hasso-Plattner-Institut) auch im neuen Agenda Podcast Spezial. Jetzt reinhören!

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens: Das war nicht nur das Thema dieses Tagesspiegel Fachforums, sondern auch die dringende Forderung aller teilnehmenden Expert:innen. Denn, wenn man diesen folgen will, dann gibt es noch einiges an Nachholbedarf, um die digitale Transformation endlich in Gang zu bringen. 

Die geladenen Expert:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik waren:

Dr. Jens Baas
Vorsitzender des Vorstandes, Techniker Krankenkasse

Prof. Dr. med. Erwin Böttinger
Professor für Digital Health - Personalisierte Medizin und Leiter des Digital Health Center, Hasso-Plattner-Institut

Michael Byczkowski
Michael Byczkowski, Global Vice President, Leiter des Industriebereichs Healthcare, SAP

Daniel Cardinal
Geschäftsbereichsleiter Versorgungsinnovation, Techniker Krankenkasse

Dr. Heike Riel
IBM Fellow, Executive Director, IBM Research Frontiers Institute

Vanessa Schmoranzer
Partner, diconium strategy

Dr. Serena Scollen,
Head of Human Genomics and Translational Data, ELIXIR

Tino Sorge

MdB, CDU/CSU-Bundestagsfraktion 

Prof. Dr. Christof von Kalle

Gründungsdirektor, Clinical Study Center (CSC) an der Charité-Universitätsmedizin Berlin und Chair für Klinisch-Translationale Wissenschaften, Berlin Institute of Health (BIH) 

Ulrike Teschke (Geschäftsführerin, Verlag der Tagesspiegel) und Christian Tretbar (Chefredakteur, Der Tagesspiegel) eröffneten die Veranstaltung und Gunar Göpel (Redakteur Background Gesundheit & E-Health, Verlag Der Tagesspiegel) moderierte sie. 

Problemanalysen, Lösungsvorschläge und Forderungen auf dem Fachforum

Eines der zentralen Themen des Fachforums war der Datenschutz. Dabei war die Meinung einhellig, dass zu viel davon zu Nachteilen führt. So kann aus Sicht von Prof. Christof von Kalle der fehlende Zugriff auf Gesundheitsdaten für Forschende weitreichende Folgen haben: „Da wir vieles nicht wissen, kann das Nichtwissen auch Menschen das Leben kosten.“. Dr. Jens Baas führte aus, dass Deutschland aufgrund der aktuellen Datenschutzbestimmungen „einen erheblichen Wettbewerbsnachteil“ gegenüber den USA oder etwa China haben wird. Eine gelungene Kombination von Datenschutz und Datennutzung würde hingegen sogar zu einem Wettbewerbsvorteil führen. Sein Fazit war: „Wir müssen Datenschutz als Regel aufstellen und nicht als rechtlich unüberwindbares Hindernis.“. Damit digitale Lösungen aber auch tatsächlich von den Menschen genutzt werden, müssten sie für den Nutzer „bequem“ (Prof. Erwin Böttinger) sein. „Eine maximale technische Sicherung darf nicht zu maximaler Unfreundlichkeit für den Benutzer führen“, sagte Dr. Jens Baas dazu. 

Gefordert wurde von allen Diskutantant:innen ein Recht des Patienten seine Daten nicht nur zu schützen, sondern auch teilen und weitergeben zu können. Vanessa Schmoranzer schlug dafür einen „digitalen Datenspendeausweis“ vor: „Ich denke an den digitalen Datenspendeausweis, auf dem ich regelmäßig ankreuzen kann, welche Daten ich spenden will und welche nicht.“ Dr. Jens Baas sah hingegen vor allem in der Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakten (ePA) die Grundlage für eine selbstbestimmte Wahlmöglichkeit zur Datenweitergabe für Versicherte. 

Als besondere Herausforderungen für eine erfolgreiche und schnelle digitale Transformation führte Michael Byczkowski die föderalen Strukturen sowie die Akteursvielfalt im Gesundheitswesen in Deutschland an. Das könnte erklären, warum es immer noch neun Monate dauert, bis die Daten der niedergelassenen Ärzte bei den Krankenkassen landen, die sie erst dann in die ePA einpflegen können. Daniel Cardinal forderte diesbezüglich einen Anspruch auf tagesaktuelle Daten. Michael Byczkowski Ursachenanalyse könnte außerdem zur Erklärung dafür herangezogen werden, dass erst zum Jahr 2026 alle Leistungserbringer zum Anschluss an die Telematikinfrastruktur verpflichtet sind. Nicht nur Tino Sorge forderte hier mehr Geschwindigkeit. Ebenso könnte Michael Byczkowski’s Beobachtung erklären, warum ePA, E-Rezept und DiGAs zwar oft gesetzlich verordnet sind, aber ihre Umsetzung in der Praxis weit hinter den Erwartungen zurückliegt, wie Prof. Erwin Böttinger feststellte. Er sah im Übrigen die „nahtlose Verknüpfung“ dieser Elemente als wesentliche Herausforderung der nächsten Jahre an. 

Zur Vollständigkeit der im Rahmen der Veranstaltung aufgestellten Forderungen, ist noch eine letzte von Prof. Christof von Kalle hinzuzufügen. Er beklagte die fehlenden finanziellen Mittel für die Digitalisierungsvorhaben: „Wir sind reich an Forderun­gen, aber arm an Ressourcen.“ 

Das war das Fachforum Gesundheit „Digitale Transformation im Gesundheitswesen: Wie gelingt der radikale Wandel?“.

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Aktuelle Themen von unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, Wissen vermitteln, Szenarien entwickeln, Lösungen in den Blick nehmen – dafür stehen unsere Tagesspiegel Fachforen. Der Tagesspiegel-Verlag bietet in dieser Reihe eine Plattform, die einen direkten Dialog zwischen Expert:innen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu einem aktuellen Gesundheitsthema ermöglicht.

Wir danken der Techniker Krankenkasse und dem Hasso-Plattner-Institut für die freundliche Unterstützung dieser Veranstaltung.

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