DIGITALE SOUVERÄNITÄT

Mit der Digitalisierung der Gesellschaft verändert sich auch der Souveränitätsbegriff. Digitale Souveränität bedeutet die Fähigkeit zum selbstbestimmten Handeln und Entscheiden im digitalen Raum. Der Grat zwischen unabhängig und protektionistisch ist dabei schmal. Grundlage ist die Beherrschung von Schlüsselkompetenzen und -technologien sowie die Fähigkeit, selbstbestimmt zwischen Alternativen zu entscheiden. Souveränität bedeutet nicht, ausschließlich auf eigene Ressourcen zurückzugreifen. 

Dr. Laura Krug, Referentin für Digitale Souveränität im BMWK betont in Ausgabe #9 von Digital auf Nummer Sicher!, für die Bundesregierung bedeute digitale Souveränität, dass alle die Wahl haben. Für Wahlfreiheit von Staat, Unternehmen und Privatpersonen brauche es zahlreiche Angebote. Zentrales Mittel für die souveräne Beteiligung aller Akteure an der Digitalisierung von morgen ist die Interoperabilität über Open Source. Darin herrscht Einvernehmen, bei den Speakern in der Gesprächsreihe.

Der Leiter des Google Safety Engineering Center München, Dr. Wieland Holfelder betont, die Souveränität fange bereits damit an, „dass die Skills die sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der eigenen Unternehmen aneignen nicht in eine proprietäre Infrastruktur eines der Hyper-Scaler zum Beispiel gehen, sondern egal auf welcher Plattform wiederverwendet werden können“. Google biete deshalb auch Strukturen an, die es ermöglichten Arbeitsabläufe von Google-Produkten auf andere Plattformen zu übertragen.

SICHERHEITSFRAGEN VON OPEN SOURCES

Die Sicherheitsfragen von Open Source werden bei Digital auf Nummer Sicher! nicht ausgeklammert. Im Gegenteil unterstreicht Simran Mann, Referentin für Sicherheitspolitik, Bitkom, „Souveränität und Sicherheit sind zwei Seiten derselben Medaille“. Die gängige Ansicht jedoch, Open Source sei sicher, weil es offen ist, wurde in der Runde zurückgewiesen. Viel mehr biete das Bekämpfen von Sicherheitslücken in Open Source-Anwendungen immense Vorteile. Für Holfelder ist zentral, wird an einer Stelle ein Problem behoben, dann ist es mit Open Source auch an allen anderen behoben.

Damit das in Zukunft noch zeitiger gelingt und die Strukturen der Open Source Community erhalten bleiben, wurde Ende 2022 staatliche Förderung aufgelegt. BMWK-Referentin Dr. Krug stellte den sogenannten „Sovereign Tech Fund“ der Bundesregierung im Vorfeld bei Digital auf Nummer Sicher! vor. Bei einem abnehmenden Sicherheitsgefühlt der Unternehmen sei dazu auch gerade Anlass, betonte Mann. Allmählich trete eine Krisenerprobtheit ein und Gespräche zwischen den verschiedenen Ebenen würden direkt gesucht. Das zeigt auch die Reihe Digital auf Nummer Sicher! eindrucksvoll. 

SOUVERÄNITÄT FÜR EINZELPERSONEN

Der CIO des Bundes, Dr. Markus Richter macht in Digital auf Nummer Sicher #7 besonders anschaulich, was digitale Souveränität für Einzelpersonen bedeuten kann. Einerseits würden die Bürger:innen keine „20, 30, 40 Apps herunterladen“. Sie würden die Wahl haben wollen, auch über Verbindungen der Apps untereinander und zentrale Dienste an den Bund und Unternehmen herantreten zu können. Richter beschreibt dafür das Bild einer Zwiebel, deren Schichten zwingend verbunden werden müssten. 

Die Erfahrung der Nutzer:innen werde aber erst richtig souverän, wenn diese sich auch als Bürger:innen ausweisen könnten. Der digitale Ausweis sei als Projekt geplant, das vor Profitinteressen stehe, dann aber eine Nahtlosigkeit zwischen kommerziellen und staatlichen Diensten gewährleisten kann. Diese sei wiederum förderlich, langfristig sogar weltweit. 

Für die Umsetzung der eID steht aber noch nicht der wirtschaftliche Wettbewerb im Vordergrund. Auf Seiten von Unternehmen, Verbänden und Zivilgesellschaft sei „Kooperation angezeigt und am Ende werden alle davon profitieren. Die IT-Wirtschaft, ob Hyper-Scaler oder einzelnes Unternehmen oder der öffentliche Sektor“.